Vogalonga IV

Sonntag, 11. Mai 2008, kurz vor 09.00 Uhr: Auf Venedigs Gewässern zwischen Markusplatz, San Giorgio Maggiore und Santa Maria della Salute tummeln sich ca. 1.600 Boote mit rd. 6.000 Wassersportlern. Und mitten drin, na ja, um der Wahrheit die Ehre zu geben, schon etwas weiter nach vorne gemogelt, dümpelt das Kirchboot des KRV Wiking. Aus den Erfahrungen der vorangegangenen Jahre sucht sich die Mannschaft unseres Bootes unter großzügiger Auslegung der Startlinie einen optimalen Startplatz. Man hat ja schließlich Ehrgeiz ...

Doch der Reihe nach. In den drei Jahren zuvor haben wir, also gewissermaßen eine „Kernmannschaft“, Gefallen und Spaß an der Vogalonga mit dem gesamten „Drumherum“ gewonnen und sind wieder nach Venedig gereist. Der Begriff „Mannschaft“ sei erlaubt, auch wenn er nicht korrekt ist. Denn neben dem männlichen Personal hatten wir nämlich erfreulicherweise wieder zwei junge Damen an Bord. Die nun also Mannschaft genannte Bootsbesatzung hat sich zusammengefunden aus dem Kreis des KRV Wiking und wie schon in den Jahren zuvor ergänzt durch „Mannemer“ Ruderer sowie eines Vertreters des Uerdinger Ruder-Clubs. Wir hatten also eine schön durchmischte Mannschaft, von jungen sportlichen Damen über stramme Burschen bis zu leicht angegrauten älteren Herren, an Bord.

Angereist sind wir am Freitag, um genügend Gelegenheit zu haben, uns zu akklimatisieren und die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Am Samstag Vormittag war dann die Testfahrt mit dem Kirchboot, ein Durchchecken, um sicher zu sein, dass das Boot am Regattatag auch voll einsatzbereit ist. Wir sind also einige Kilometer gefahren, und Holger als einer der beiden Schlagleute hat uns gezeigt, wie ein Langstreckenruderer die Sache angeht – unter Schlagzahl 32 geht da erst mal gar nichts. Am Tag darauf hat er dann aber überwiegend Gnade gezeigt, denn so mancher von uns hätte das über die Strecke nicht unbeschadet überstanden.

Unbeschadet war nach der Testausfahrt allerdings unser Boot nicht ganz. Wir mussten feststellen, das die Dolle auf dem Platz von Frank locker saß (ob das ein Materialfehler war oder auf die übermäßige Krafteinwirkung von Frank zurückzuführen war, haben wir nicht untersucht). Jedenfalls wurde die Dolle ausgebaut, die Konstruktion leicht verändert und wieder eingesetzt. So hatte Frank dann auch keine Ausrede, er musste pullen von Anfang bis zum Ende.

Nach der Samstagsausfahrt hat dann Dieter als unser Steuermann seinem Drang nicht so ganz nachgeben können und wollte das Boot partout etwas abseits anlegen, und an einem anderen als an dem gewohnten Platz vertäuen. Wir haben dann auch schnell gemerkt was ihn, unseren Schlick-Dieter, dort hin gezogen hat: wir haben es gerade noch geschafft aus dem Schlick rauszukommen !

Doch nun zurück zur Regatta: Exakt um 09.00 Uhr haben wir uns mit dem Böllerschuss in die Riemen gelegt. Es war schon ein grandioser Anblick, wie sich die vielen Boote in Bewegung gesetzt bzw. die schon vor dem Startschuss aufgenommene Fahrt beschleunigt haben. So ziemlich jede Bootsgattung war da wieder mal vertreten mit unterschiedlichen Besatzungen, vom Einzelkämpfer bis zu Masseneinsätzen war alles vertreten. Die Strecke verlief planmäßig, auch wenn der eine oder andere ein wenig über die teilweise hohen Schlagzahlen laut wehklagte. Lobend müssen unsere Mädels Ute und Tatjana erwähnt werden, welche sich durch ziehen ohne zu reden wohltuend vom teilweise doch etwas lauten Rest der Mannschaft unterschieden haben.

Selbst der teils starke Wind und ein Wellengang, wie wir ihn bislang noch nicht erlebt haben, konnte uns, auch Dank des souveränen Kirchbootes, nichts anhaben. Das folgende Bild zeigt, wie wir uns vor Murano vom gesamten Feld schon abgesetzt haben.

Auf den letzten Kilometern musste der Eine oder Andere von uns schon beißen, um noch einigermaßen aufrecht in die Kanäle von Venedig mit den applaudierenden Zuschauern einzufahren. Und schließlich wollten wir ja auch gut aussehen, wenn uns unsere Begleiter, die Prosecco-Fraktion, an Eingang des Canale di Cannaregio lautstark zujubelten. Dieser Moment ist immer wieder aufbauend, und man vergisst sehr schnell, dass man vor Minuten eigentlich schon aufhören wollte zu rudern. Und dann winkte da ja noch das „Radadelsche“, das jeder der Teilnehmer vom Organisationskomitee in Empfang nehmen konnte.

Um auf den anfangs angesprochen Ehrgeiz zurück zu kommen: im vergangenen Jahr haben wir die Strecke von 30 Kilometern in der Lagune von Venedig in 2 Stunden und 5 Minuten zurückgelegt. Unsere aktuelle Zeit: 2 Stunden und 7 Minuten - und das trotz widriger Bedingungen durch stärkeren Wind und Wellengang – und ohne Abkürzung ?.

Unnötig zu sagen, dass das KRV-Boot zu den ersten der vielen Teilnehmer im Ziel zählte ...

Georg Nagy

Vogalonga 2008 – und was das Prosecco-Team dabei so alles erlebt…

Die Vogalonga am Pfingstsonntag fiel dieses Jahr auf den 11. Mai und anstatt wie sonst die sportliche Aktivität zu dokumentieren, soll dieser Artikel diesmal die Freuden und Mühen des Prosecco-Teams - das seit 2004 die Rudermannschaft engagiert begleitet - schildern. Mittlerweile sind nicht nur die Ruderer versiert, wenn es um die Vogalonga Vorbereitung geht, sondern auch das Prosecco-Team besticht durch seine Professionalität. Wir haben viel dazu gelernt und die Geschichten vom „verpassten Siegerfoto 2004“ sind schon lang Vergangenheit.

Dieses Jahr waren alle in vier verschiedenen Hotels, über Mestre verteilt untergebracht und trotz der erschwerten Bedingungen – organisierte eine der Prosecco-Frauen für Freitag ein gemeinsames Abendessen in einer gemütlichen Pizzeria. Nach und nach trafen auch die Mannheimer ein, die sich länger als erwartet auf der Autobahn aufhielten. Unser (neudeutsch=) Kick-Off Abend ähnelte einer Episode des Films „Man spricht deutsch“ und aus unserem „Schlick (2006)- und Umweg (2007) Dieter“ wurde in dieser Nacht postum ein „Sambuca-Dieter“, der die neuen Gesichter in der Runde unbedingt zum Trainingsrudern am Samstag Vormittag verpflichten wollte. Wahrscheinlich war es Dieters Engagement zu verdanken, dass tatsächlich ein großer Teil des Prosecco-Teams am Samstag mit dabei war, um das Kirchboot zu Wasser zu lassen. Dieter - das hat uns sehr gut gefallen und diese Vormittagaktivität wird gleich als Standard in das zukünftige Prosecco-Programm mit aufgenommen. Die Atmosphäre in der Marina, das Getummel zwischen Booten und Ruderern aller Nationen gab uns schon den richtigen Vorgeschmack auf den Regattatag.

Während sich die Ruderer am Regattatag wie immer sehr früh an der Marina in Mestre trafen, um gen Venedig zu rudern, ging es für die Prosecco-Fraktion nicht viel später los. Diesmal haben wir „Markusplatz am Ufer“ als Treffpunkt ausgemacht und die kleine Gruppe, die vom Novotel losgezogen ist, hat auf ihrem flotten Fußmarsch durch Venedig dann auch die anderen eingeholt und am Markusplatz selbst warteten auch schon bekannte Gesichter. Dieser Sprint durch Venedig ist schweißtreibend - schließlich muss dabei die Kühlbox mit den 4 Flaschen Prosecco und weiteren Leckereien geschleppt werden. Aber man weiß ja, für was man diese Mühen auf sich nimmt! Bis zum Startschuss waren es noch 15 Minuten und wir mussten für unseren Begleithund Jarah unbedingt noch ein grünes Fleckchen finden, weil sie – gut erzogen wie sie ist - nicht auf Stein kann. Aber auch das war schnell erledigt und wir konnten entspannt dem Startböller lauschen und beobachten, wie sich alle Boote so nach und nach in Bewegung setzten. Ein fantastischer Moment - Blick auf die Chiesa di San Giorgio Maggiore, blauer Himmel, Morgenluft und viele hundert bunte Boote, die stolz an uns vorbeizogen. Wir genossen dieses Spektakel eine Zeit lang und entschieden uns dann – wie in den Vorjahren - für ein Wassertaxi, das uns samt Hund zum Cannaregio/Tre Archi brachte. Dieses Jahr hofften wir wieder mal vergeblich auf den „George Glooney“- Kapitän, der uns 2005 ganz wuschig gemacht hat. Immerhin war die Fahrt wieder ihr Geld wert - wir genossen vom Boot aus die Einblicke in die Palazzos und konnten nicht genug bekommen von Wind und Wellen in der Lagune.

Angekommen am Ufer „Fondamenta di Sacca San Girolamo“ macht das Prosecco-Team sich alle Ehre – die rote Bank - wie immer - wurde als Buffet hergerichtet und der erste Proseccokorken konnte diesmal mühelos „knallen“ (unvergesslich die Probleme 2007, wo wir mit sehr wenig italienisch Kenntnissen einen Korkenzieher in der benachbarten Bar organisierten). Dazu gab es von Uli – die endlich offiziell Veranstaltungswartin ist – selbstgemachte Tramezzini aus der Tupperdose. Wir geben zu – das ist der eigentliche Höhepunkt für das Prosecco-Team! In italienischer Ruhe, bei herrlichstem Wetter, bestens versorgt auf die Wikinger Mannschaft zu warten!

Diese Atmosphäre genießen wir ungefähr zwei Stunden bis die Bootszählerei startet, schließlich wird von uns ein Platzierungsbericht erwartet. Wir zählten: „eins, zwei, drei … - letztes Jahr waren sie sechster - , vier, fünf, sechs, sieben ….. endlich da schimmert was gelb und die weißen Mützen … ja, jaaa, …das sind sie …. cool .. als achter!“ In diesem Moment ist im Proseccoteam absolutes Teamwork angesagt und auch diesmal läuft alles wie ein Uhrwerk. Die Gruppe teilt sich, ein Teil bringt die Kameras in Position und macht sich lauthals bemerkbar und ein anderer Teil räumt das Buffet ab, wirft Flaschen weg und sorgt dafür, alles griffbereit zu machen - für den zweiten Sprint des Tages! Bevor der los geht, gröhlen wir noch mal alle, was das Zeug hält: „Forzza Wiking!.... Auf geht´s! … Zieh´n!!“ Und dann schnappt sich jede, was sie tragen kann. Die meisten hatten noch ´nen Proseccopappbecher in der Hand und wir spurten durch das Wohnviertel, erreichen rechtzeitig den Cannaregio und sehen die Kirchbootmannschaft ein zweites Mal. Da dieser zweite Sprint alles von uns abverlangt, haben wir dieses Jahr vereinbart, dass sie eine kurze Ruderpause einlegen, damit wir mehr Zeit hatten für die wichtigsten Fotos des Tages. Sehr schön war´s – wir konnten in Ruhe knipsen und auch noch mal unseren besseren Hälften tief in die Augen schauen – ein sehr schöner Moment! Dieses Jahr waren wir auch sehr stolz auf Tatjana und Ute, die endlich mal wieder für die Frauenquote im Boot sorgten ?

Mit diesem Moment waren alle Pflichten des Prosecco-Team erfüllt und wir konnten den Tag einfach genießen. Unsere kleine Bar, die eindeutig in asiatischer Hand ist, war dieses Jahr sehr populär. Mit einem Lächeln und ungefragt, brachte man uns mehr Stühle und der Tag nahm seinen Lauf – „Sprizz, per favore“, „Cappucino per favore“, „Sprizz, per favore“, „Cappucino,per favore“, usw. usw.. Die ersten 150 Boote wurden von uns allen lautstark persönlich begrüßt und jedes stolze Lächeln der Ruderer, Kanuten oder Gondolieris machte uns glücklich. Was für ein gigantischer Tag! Für die weiteren 1550 Boote versagten leider unsere Stimmen und statt dessen machten wir uns durch die Aktion „Cappuccino ins Boot servieren“ einige Freunde.

Am Nachmittag stieß dann auch Frank zu uns, der - wie im letzten Jahr - bei San Maria della Salute ausstieg, mit den anderen noch ein Bierchen trank und dann durch ganz Venedig lief, um sich zum Prosecco-Team zu gesellen. Mit ihm kamen dann auch die Daten und Fakten zur Regatta ans Licht. In Wirklichkeit war der KRV nämlich zweiter, denn sie wurden auf den 30 km nur von einem Renndoppel-Fünfer überholt. Und wir waren erleichtert, zu hören, dass die angerissene und bereits Samstag beanstandete Dollenhalterung während der Regatta nicht mehr Schaden genommen hat, sondern dass die Mannschaft sehr zufrieden war mit Verlauf und Platzierung. Auf der Regatta wurde sogar Peter Michael Kolbe (Ex-Weltmeister im Einer) mit ehemaligen Olympiateilnehmern (von 1972) in einem Renndoppel-Achter überholt. Na, das sind doch Erfolge – das Proseccoteam jubelt und bestellt gleich die nächste Runde Sprizz auf den Präsidenten: Salute KRV Wiking!

Sprizz Aperol

Eisgekühlter Weißwein in ein Glas auf Eis Gießen. Aperol dazugeben. Ein Spitzer Soda oder Prosecco hinzufügen. Mit einer Zitronenscheibe und/oder Olive garnieren.

3/4 Weißwein, 1/4 Aperol und 1 Spritzer Soda/Prosecco

Ein super schöner Tag und ein super schönes langes Pfingstwochenende geht zu Ende – wir sind wieder sehr glücklich, dabei gewesen zu sein!

Mille Grazie, Vogalonga! A presto, Venezia!

Simone Brisach für das Proseccoteam 2008: Juliane Trautmann, Uli Job, Edith Fleisch, Jutta & Nicole Braun, Elke Rinderknecht, Heni Scharff, Jens und Yvonne Fricke

Vogalonga Mannschaft 2008: Dieter König, Holger Depner, Hans-Jürgen Wagner, Frank Wischniewski, Michael Hornecker, Alexander Trautmann, Andreas Birmes, Georg Nagy, Joachim Fleisch, Hans Rinderknecht, Rüdiger Scharff, Dieter Braun, Kurt Blumenröder, Tatjana Supper und Ute Knoth