Vogalonga 2007

So langsam wird es Tradition – es war das dritte Mal in Folge - dass der KRV Wiking mit seinem Kirchboot an der Vogalonga in Venedig teilnimmt. So trafen sich auch diesem Jahr traf sich wieder eine Mannschaft des KRV ergänzt durch Ruderkameraden aus Mannheim in Venedig, um an diesem berühmten Fest teilzunehmen. Kurz zur Erinnerung: die Vogalonga ist vor 32 Jahren aus einem Protest der örtlichen Gondolieri gegen die zunehmenden Motorisierung in den Kanälen von Venedig entstanden und hat sich immer mehr zu einem internationalen Ereignis entwickelt, an dem neben europäischen Mannschaften auch Teilnehmer aus übersee (z.B. Neuseeland)anzutreffen sind. Der Kern der Vogalonga besteht aus einem 30 km langen Rundkurs, gestartet vor dem Markusplatz entlang an den Inseln Burano und Murano zurück nach Venedig durch den Canal Grande wieder zurück zum Markusplatz. Es können alle Arten von Paddel und Ruderbooten teilnehmen, in diesem Jahr waren es ca. 1.600. Nach einigen touristischen Erlebnissen an den Tagen zuvor, ging es dann am frühen Morgen des Pfingstsonntags zum Bootshafen von Mestre, wo wir das Kirchboot am Vortag zu Wasser gelassen und vertäut haben. Zu unserem Erstaunen hatte sich das Boot nicht verselbstständigt und allen Wetterkapriolen und Tiden getrotzt (Dank an Jochen für seine erfinderischen „Seemannsknoten“). Dank gründlicher Vorbereitung durch Georg gab es diesmal auch keine Diskussionen über die Verteilung der Bootsplätze und so konnte sehr zügig die überfahrt nach Venedig zum Start (ca 7.5 km) durchgeführt werden. Wir nutzten die Erfahrungen aus den Vorjahren, um uns einen günstigen, weit vorne liegenden Startplatz zu sichern. Obwohl die Vogalonga mehr ein Fest ist, d.h. es gibt keine offizielle Rangfolge, gibt es immer ein paar Boote, die das durchaus sportlich sehen – so wie wir. Wenn man zu weit hinten losfährt, wird es im gekennzeichneten Fahrwasser zu den Inseln so eng, dass man kaum vernünftig rudern kann.

Das Feld wurde pünktlich um 9:00 Uhr mit einem Kanonenschuss gestartet. Mit unserem schnellen Kirchboot (in Relation zu den vielen Paddlern) haben wir schon auf den ersten 15 km ungefähr 100 Boote überholt. Die hatten sich offensichtlich schon sehr weit vor der eigentlichen Startlinie positioniert. Die ersten 15 km mit leichtem kühlem Gegenwind waren sehr angenehm und flott. Nach der Wende in Burano traten dann die ersten Ermüdungserscheinungen auf, hervorgerufen durch den nun leichten Rückenwind, der die Körperkühlung aussetzte. Entgegen unseren Erwartungen fand Dieter K. diesmal das Fahrwasser und vermied Ausfüge in den Schlick. Genutzt hat es ihm nichts, denn sein Spitznahme „Schlick-König“ wurde nun (unberechtigterweise) ganz schnell in „Umweg-König“ gewandelt. Vor uns lagen noch ca. 3-4 GiG-Achter und ein Vierer-Kajak. Diese Boote waren wirklich gut besetzt und waren trotz redlicher Bemühungen nicht mehr einzuholen. Auf den letzten Kilometern von Murano zurück nach Venedig kam ein weiterer Vierer-Kajak immer näher (4* extremer V-Form Oberkörper) , dem wir nichts mehr entgegenzusetzen hatten.

Der Wiedereintritt in Venedig ist immer wieder ein tolles Erlebnis, hunderte von begeisterten Zuschauern applaudieren und rufen Aufmunterungen zu. Ich kann nicht erinnern, jemals beim Rudern (selbst zu unseren besten Zeiten) mehr Applaus bekommen zu haben (deshalb fahren wir ja auch immer wieder hin).

Allen Unkenrufen zum Trotz, ist das Kirchboot eines der schnellsten Boote, die man in Venedig findet. Kurz nach 11:00 Uhr – also knapp über 2 Stunden für 30 km – überquerten wir die Ziellinie auf einem inoffiziellen 6. oder 7. Platz.

Die beträchtlichen durch den Wind hervorgerufenen Wellen nimmt das Kirchboot ohne erkennbare Wirkung. Das Kirchboot war ganz gut besetzt, so dass etliche Gig-Achter, Gig- und Rennvierer keine Chance hatten. Ein besonderes Erlebnis war es für Jan, dem ältesten Sohn von Steffen, den wir als Kielschwein mitnahmen und der ganz glücklich und begeistert mitgefahren ist. Seiner Karriere als Ruderer steht nun nichts mehr im Wege. Um noch ein wenig die einmalige Atmosphäre der Vogalonga zu genießen, suchten wir uns einen geeigneten Anlegeplatz, schonten unsere müden Knochen und sahen dem Treiben bis kurz vor Ende interessiert zu. Viele bunt geschmückte Boote passierten uns und wir waren schon erstaunt, mit welchen Fahrzeugen die 30 km bewältigt wurden. Kurios war ein „gemischter“ Ruder Dreier – Platz eins und drei Riemen, Platz 2 Skull. Glücklicherweise fand Rolf-Dieter auch noch gleich eine Bar, an der wir unseren Bierdurst ausreichend löschen konnten. Allerdings fielen wir auf eine kleine Eigenschaft von Venedig herein: das Bier im Freien ist doppelt so teuer wie drinnen. Die Rückfahrt nach Mestre war zäh. Glücklicherweise hielt das Wetter bis wir wieder alles verladen hatten – erst dann begann es zu regnen. So änderten wir unsere Pläne für den Abend und gingen anstelle in ein Fischrestaurant in Burano wieder in unsere altbekannte Pizzeria in Mestre, in der wir einen fröhlichen Ausklang feierten.

Wir alle waren wieder von der einzigartigen Atmosphäre der Vogalonga begeistert. Auch die Kirchboot-Skeptiker wurden von der Eignung des Bootes und seiner Schnelligkeit überrascht und überzeugt. Wir kommen wieder.

Herzlich Dank an Georg für die reibungslose Organisation und an Dieter König, der dankswerter Weise den Bootstransport übernommen hat. Ein Dank ebenso an die Werkstatt, die das Kirchboot so hervorragend vorbereitet hat.

Es waren dabei:
Angela, Steffen und Jan Hort, Bettina und Bernd Beetz, Jutta und Dieter Braun, Doris und Hans Schenk, Elke und Hans Rinderknecht, Rolf-Dieter Leuser, Michael Hornäcker, Simone und Frank Wischniewski, Biggi und Klaus Wachsmuth, Edith und Jochen Fleisch, Bettina und Georg Nagy, Caro und Kurt Blumenröder, Juliane und Alexander Trautmann, Ilona und Rüdiger Bastian, und Dieter König als Steuermann.

Klaus Wachsmuth