Head of the River Race - London



In vielen britischen, aber deutschen Vereinen ist es Tradition und in den Köpfen von noch mehr Ruderern ein lang gehegter Wunsch: die Teilnahme am Head of the River Race auf der Themse in London. Die Frage, nach der Faszination dieser Regatta ist sehr schnell beantwortet: 450 Achter, die sich gleichzeitig auf dem Wasser befinden, und zehntausende Zuschauer, die am Ufer und auf Brücken jede Mannschaft mit ihrer Ruderbegeisterung anpeitschen. Die Kombination dessen macht die Teilnahme an diesem Rennen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Als wäre das nicht genug, bestreitet man die knapp 7 km lange Renndistanz auf genau dem selben Teilstück der Themse, auf dem sich schon seit weit über 100 Jahren die beiden britischen Ausnahmeuniversitäten Oxford und Cambridge ihr alljährliches und so prestigeträchtiges "Boat Race" liefern.

Bereits im vergangenen Jahr sind vier Wikinger dem Ruf nach London gefolgt sind und lagen zusammen vier weiteren Ruderern aus Heidelberg auf "2008er Head" am Start. Starteten die Acht im vergangen Jahr noch in den Farben des Heidelberger Ruderklubs, reifte bereits im Laufe der letzten Saison die Idee, ab 2009 auch in Karlsruhe die Teilnahme am "Head" zu etablieren. Ein zunächst gar nicht so einfaches Unterfangen. Aufgrund der sehr großen Attraktivität, die dieses Achter Event in England und vielen europäischen Rudervereinen genießt, müssen sich Vereine vor ihrer ersten Teilnahme zunächst dem Los stellen. Erst wer hier Glück hatte und als "competitor" gelost wurde, darf die Reise in die britische Hauptstadt buchen und bekommt auch für die Folgejahre automatisch einen Startplatz entsprechend der erreichten Platzierung.

Nachdem das Vorhaben für uns Karlsruhe im Dezember die Unterstützung des Sportausschusses gefunden hatte, wurde direkt die Organisation in Angriff genommen, schließlich begann der Meldezeitraum schon Anfang Januar. Ende Februar stand es dann fest: das Glück war auf unserer Seite und wir hatten die ersehnte Starterlaubnis zugelost bekommen; von Position 64 sollten wir ins Rennen gehen.

Also ging es Mitte März auf nach London. Bereits donnerstags machten wir uns auf den Weg um den Freitag dazu nutzen zu können, das Boot startklar zu machen und uns in einem ersten Training an die Verhältnisse zu gewöhnen, bevor es Samstag ernst wurde. "Boating at 8.45 a.m." lautete die Info, die uns dazu verdonnerte bereits 2,5 Stunden vor dem eigentlichen Rennstart aufs Wasser zu gehen. Natürlich hatten alle Crews ähnlich fest zugewiesen Ablegezeiten und begaben sich von den verschiedenen Rudervereinen Londons aus aufs Wasser. Nachdem so sichergestellt war, dass jedes der 450 Boote schwamm, wurde der Start um 11.15 mit dem traditionellen Kanonenschuss für das erste Boot freigegeben. Knappe 20 Minuten später galt das im 20 Sekundentakt erfolgende Startkommando dem Boot des Karlsruher RV Wiking und wir starteten gegen die Zeit mit dem Ziel, am Ende des Tages unsere Platzierung verbessert zu haben und so im nächsten Jahr weiter vorne starten zu können.

Leider gelang uns dies nicht. In der nacholympischen Saison machten sich viele Ausnahme-athleten auf den Weg nach London und sorgten so für harte Konkurrenz und mehr als knappe Zieleinläufe. So lagen zwischen den Platzierungen 100 und 150 nur knapp 15 Sekunden. Entsprechend konnte auch das Karlsruher Team Platz 64 nicht halten und wurde mit einer Zeit von 19.22,14 in Reichweite zu den Booten aus Mainz (132) und Bonn (130) auf Platz 134 in Wertung aufgenommen. Ein Ergebnis, dass im ersten Moment nicht überzeugt, vor dem Hintergrund der knappen Zielabstände und der großen Teilnehmerzahl aber noch immer innerhalb des ersten Drittels liegt und damit eine gute Ausgangsbasis für die Jagd im kommenden Jahr schafft.



Christoph Karst


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