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Deutsche Hochschulmeisterschaften 2008
Zu den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Rudern in Essen auf dem Baldeneysee war die Mannschaft der WG Karlsruhe, bestehend aus 21 Studenten der Universität und drei Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft Karlsruhe mit zwei großen Zielen angereist. Zum einen sollte der Sieg in der Gesamtwertung erneut verteidigt werden, zum anderen ging es darum, mit Siegen in möglichst vielen Bootsklassen für die Studenteneuropameisterschaft (EUC) nominiert zu werden.
Der für widrige Ruderverhältnisse berüchtigte Baldeneysee zeigte sich auch auf dieser Regatta von seiner schlechten Seite. Starker Gegenwind auf allen Bahnen sorgte für hohe Wellen, die auch erfahrenen Mannschaften große Probleme bereiteten.
Der erste Paukenschlag gelang schon in Rennen 3, dem Männer Zweier ohne Steuermann. Die Silbermedaillengewinner der Deutschen U23 Meisterschaften Niklas Reisser und Peter Wenzel lagen nach einem erwartungsgemäßen Vorlaufsieg im Finale gegen ein starkes Boot aus Dresden und den Vorjahressiegern aus Hamburg. Nach der Hälfte der 1000 Meter-Strecke lag das Karlsruher Boot zwischen Dresden und Hamburg. Im weiteren Verlauf des Rennens kamen die beiden Studenten aber immer besser mit den widrigen Verhältnissen zurecht und schoben sich langsam an die Dresdner heran. Drei Schlägen vor dem Ziel lag das Dresdner Boot noch mit einem Hauch vorne, doch dann gab das Karlsruher Duo noch einmal alles und konnte sich auf der Ziellinie knapp den Sieg und damit die Nominierung für die EUC sichern.
Anschließend ging Ulrich Geilmann im Leichtgewichts-Männer-Einer an den Start. Im Vorlauf wurde schnell klar, dass der direkte Einzug in das Finale nicht klappen würde. In einem taktisch gefahrenen Hoffnungslauf sicherte er sich aber ohne Probleme eine Mittelbahn im Finale. Auch in diesem Rennen spielten die Wind- und Wellenverhältnisse eine maßgebliche Rolle. Der im Vergleich zu seinen Gegnern großgewachsene Karlsruher lag nach dem Start erst im hinteren Teil des Feldes. Nach etwa 400 Metern schienen die anderen Boote aber scheinbar stehen zu bleiben und er schob sich mit nur wenigen Schlägen am gesamten Feld vorbei und erkämpfte sich eine klare Führung. Diesen Vorsprung konnte weder der Kasseler Maik Feldmann noch der Darmstädter Daniel Maßfelder angreifen und so gewann Ulrich Geilmann dieses Rennen überraschend mit drei Längen Vorsprung.
Doch auch die Karlsruher Frauen konnten überzeugen. Im Doppelvierer zeigten Vera Dohmen, Julia Johannsmeier, Imke Ludwig und Karin Groth eine starke Vorstellung. Nach einem guten Start lagen sie das gesamte Rennen knapp hinter Mainz. Im Endspurt konnte das Karlsruher Boot noch einmal an seinen Gegner heranfahren, für einen Sieg gegen die bereits für die Studenten-Weltmeisterschaften nominierten Mainzer reichte es aber leider nicht.
Das letzte Rennen am Samstag war dann traditionell der Männer-Achter. Hier gab es gleich mehrere Favoriten. Zum einen ein starkes Boot aus Ontario, das die Regatta als Vorbereitung für die traditionelle Henley-Regatta nutzte und außer Konkurrenz mitfuhr. Außerdem waren die Titelverteidiger aus Hamburg am Start. Auch die Uni Münster stellte in diesem Jahr ein gut besetztes Boot. Im Vorlauf wurde schnell klar, dass man die zweifachen kanadischen Hochschulmeister ziehen lassen muss. Bereits beim Start hatten sie sich deutlich vor alle anderen Boote gelegt. Den zweiten Vorlauf gewann erwartungsgemäß die WG Hamburg. Im Hoffnungslauf packte das Karlsruher Boot dann einen sehr guten Start aus und setzte sich an die Spitze. Anschließend ließ man sich jedoch auf den dritten Platz zurückfallen um die im Wind eventuell leicht bevorteilte Außenbahn zu bekommen. Im Finale ergab sich das erwartete Bild. Bei Streckenhälfte lag das Hamburger Boot knapp vor den Kanadiern, etwa eine halbe Länge dahinter kamen die Münsteraner, und mit schon einer Länge Rückstand auf die Spitze war das Karlsruher Boot deutlich abgeschlagen. Doch an dieser Stelle gaben die Studenten nicht auf, sondern kämpften sich Zentimeter um Zentimeter wieder heran, und bald schon konnte man an einen dritten Platz vor Münster glauben. Von diesem Eindruck angetrieben, gaben die Ruderer alles und schoben sich immer weiter nach vorne. Mit zehn furiosen Schlägen auf den letzten hundert Metern kam man mit riesigen Schritten den Hamburgern näher. Diese hatten das Karlsruher Boot anscheinend gar nicht mehr auf der Rechnung und konzentrierten sich voll auf die Münsteraner. Dadurch, dass das Karlsruher Boot auf der Außenbahn ruderte und die Kanadier sich zwischen den Booten befanden, bemerkten die Hamburger die heranrauschenden Gegner zu spät und konnten sich nicht mehr wehren. Mit dem letzten Schlag zogen Peter Wenzel, Michael Philipps, Josef Gravenhorst (alle FH), Ulrich Geilmann, Christoph Karst, Niklas Reisser, Maximilian Detmer, Philipp Schäfers und Steuerfrau Ulrike Schwarz (alle Uni) schließlich vorbei und sicherten sich so den Sieg und die Nominierung für die Europameisterschaften. Außerdem konnten sie den „Jürgen Fechler Gedächtnispokal“, den sie vor vier Jahren noch selbst gestiftet hatten, endlich wieder mit nach Karlsruhe nehmen.
Nach den überraschenden Erfolgen am Samstag musste nun am Sonntag wieder die volle Konzentration für die anstehenden Rennen gefunden werden. Den Anfang machte der Mixed-Doppelvierer, der ein gutes Rennen ablieferte und sich hinter Heidelberg den zweiten Rang sicherte. Anschließend ging es für Vera Dohmen im Frauen-Einer an den Start. Nach zweiten Plätzen im Vorlauf und im Hoffungslauf ging es ins Finale. Hier konnte sie sich nach dem Start an die zweite Stelle legen. Erst im Endspurt musste sie sich Eva Paus aus Köln geschlagen geben und erreichte den dritten Platz, Siegerin wurde Judith Aldinger aus Magdeburg. Trotzdem bedeutete diese Platzierung die Nominierung für die Europameisterschaften, da ihre Gegnerinnen dort in anderen Bootsklassen an den Start gehen werden.
Auch im Frauen Doppelzweier konnten Vera Dohmen und Julia Johannsmeier auf eine Nominierung hoffen. Nach 1000 Meter Kampf mit Wind, Wellen und Gegner verpassten sie mit nur einer Sekunde den Sieg gegen ein Boot aus Köln aber denkbar knapp.
Im Männer Vierer ohne konnten Ulrich Geilmann, Peter Wenzel, Niklas Reisser und Christoph Karst nun ohne Druck an den Start gehen, da alle bereits für die EUC qualifiziert waren. Deutlich angespannter waren wohl die Hamburger, für die es nun die letzte Chance war, auch noch ein Boot nach Zagreb zu schicken. Alle Favoriten qualifizierten sich ohne Probleme für das Finale. In einem Rennen auf hohem Niveau konnte sich das Karlsruher Boot zwischen die beiden Boote aus Hamburg legen. Im Endspurt konnte Hamburg Boot 1 jedoch noch zulegen und gewann so mit etwa einer halben Länge vor Karlsruhe.
Im stark besetzten Feld der Männer-Doppelzweier konnten die FH-Studenten Michael Philipps und Josef Gravenhorst mit einem Sieg im Hoffnungslauf in das Finale einziehen. In einem knappen Rennen reichte es am Ende für die Bronzemedaille hinter der Uni Münster und der WG Ulm.
Abschließend stand noch das Rennen im offenen Männer-Achter aus. Hier waren im Gegensatz zum Vortag nun auch Renngemeinschaften zugelassen. Die beiden FH-Studenten die gerade noch Doppelzweier gefahren waren wurden durch Martin Heidenbluth (Uni) und Jens Gurk (BA Mannheim) ersetzt. In diesem Rennen zeigte sich, wie viel Kraft das gesamte Regattawochenende mit bis zu elf Rennen pro Athlet gekostet hatte. Bei starkem Gegenwind fehlte am Ende die letzte Kraft um sich gegen zwei starke Renngemeinschaften aus je sieben verschiedenen Hochschulen durchzusetzen und so war man erst enttäuscht aber dann doch glücklich über den Bronzerang.
Nach der Siegerehrung stand noch die Verkündung des Gewinners des Uni-Pokals an, der an die erfolgreichste Mannschaft der DHM geht. Die WG Hamburg, die in vielen Rennen mit gleich zwei Booten an den Start ging und damit fast doppelt so viel gemeldet hatte wie Karlsruhe, hatte am Samstag Abend noch mit einem Punkt in Führung gelegen. Doch durch die vielen tollen Platzierungen in fast allen Rennen, die in diesem Bericht leider nicht alle Erwähnung fanden, gelang es der WG Karlsruhe zum dritten Mal in Folge den Pokal zu verteidigen. Mit nur zwei Punkten Vorsprung hätte eine einzige schlechtere Platzierung diesen Sieg verhindert.
Insgesamt hat das Regattawochenende alle Erwartungen übertroffen. Völlig erschöpft waren am Ende auch die beiden Trainer Dr. Paul Schmidt und Gerold Butz, die die Mannschaft perfekt auf den Saisonhöhepunkt eingestellt hatten. "Meine Mannschaft ist an diesem Wochenende über sich hinausgewachsen", so Dr. Paul Schmidt, "und das mussten sie auch, um dieses fantastische Ergebnis zu erzielen".
Nun wird sich die Saison für die Studenten noch verlängern. Um Ende August bei der EUC in Zagreb für die 2000 Meter Strecke fit zu sein wird es noch zahlreiche Trainingseinheiten im heimischen Rheinhafen geben. Besonders in der Königsklasse, dem Männer Achter, wird sehr starke Konkurrenz erwartet.
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